Schreiben – Scannen – Wischen: Smarte Notizbücher

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Schon länger gibt es Notizbücher mit „immer-wieder-beschreibbaren“ Seiten. Die bekannteste – und teuerste – Variante ist in diesem Segment ist das „Rocketbook„, das allerdings mit ca. 37 Euro [1] und 36 Seiten nicht gerade ein Schnäppchen ist.

Ich habe mir einen deutlich preisgünstigeren Nachbau ausgesucht: Newyes bietet 60 Seiten für rund 18 Euro. Weiterhin weist die erste Hälfte des Notizbuchs Seiten mit Linien auf, die zweite Hälfte ist eher für Skizzen geeignet (Punktmuster).

Auf den ersten Blick ist das Notizbuch ganz ordentlich verarbeitet, sogar eine Stiftschlaufe ist angebracht. Sicher nicht in der Wertigkeit nicht in der Klasse von Moleskine oder Leuchtturm zu sehen, aber durchaus vorzeigbar (vergleichbar mit Papier-Notizbüchern in der Preisklasse von 5 – 7 Euro).

Das Prinzip

Die Idee hinter diesen Notizbüchern ist recht simpel: Ähnlich wie bei einem Whiteboard lässt sich die Schrift „wegwischen“. Das Blatt ist anschließend leer und man kann es immer wieder neu füllen (bei Newyes angeblich bis zu 500 x). Tinte kann auch durch Hitze entfernt/unsichtbar gemacht werden, der Hersteller empfiehlt einen Haarfön, was allerdings umständlich ist und Energie verschwendet (Rocketbook hat auch eine Variante für die Mikrowelle parat).

Einfach, schnell und problemlos ist hingegen der Wisch mit einem angefeuchteten Tuch. Ein kleines Mikrofaser-Tuch liegt zwar dabei, aber noch geschickter fand ich Papiertücher (eine Serviette tut es auch).

Im Beispiel oben wurde der rote Drachen entfernt. Man sieht, dass dies ohne Rückstände gelingt.

Der Stift

Ein „Billig“-Stift mit einem mittelprächtigen Schreibgefühl liegt dem Notizbuch bei. Besser, man greift gleich zu den üblichen Pilot-Frixion-Stiften (gibt es vielleicht auch von anderen Herstellern), die es in jedem Drogeriemarkt mit verschiedenen Farben und Stärken gibt. Ich habe verschiedene Varianten ausprobiert, ein besonders gutes Schreibgefühl hatte ich mit „Pilot-Frixion Clicker 0,7“. Bonus: Bei diesem benötigt man keine „Kappe“, man kann die Mine mit dem Clip ausfahren. Für kleinere Korrekturen kann man die – temperaturempfindliche – Tinte via Kunststoffspitze „wegreiben“ (man muss aber schnelle Bewegungen ausführen).


Das Schreibgefühl

Von den Rocketbüchern wird berichtet, dass manchen das Papier etwas zu „glatt“ ist. Angeblich sollen die Newyes-Bücher eine etwas bessere Mischung haben. Da ich kein Chemiker bin, kann ich das nicht beurteilen. Aber das „Papier“ hat mich angenehm überrascht. Natürlich ist es etwas dicker als 80gr-Papier, lässt sich aber problemlos blättern. Viel wichtiger: Gerade mit dem oben erwähnten Stift ergibt sich ein wirklich angenehmes Schreibgefühl, fast würde ich es schon als „weich“ bezeichnen. Dazu kommt: Man „rutscht“ nicht (wie dies etwa auf Fotopapier der Fall wäre), so dass man präzise schreiben kann.

Der Scan

Für unsere „papierlosen“ Vorhaben ist es natürlich besonders wichtig, wie gut die Scans ausfallen (ob z. B. Blendungen die Qualität mindern).

Die Scan-Qualität ist gut, durchaus vergleichbar mit jenen, die man von Papieraufnahmen gewohnt ist. Einen kleinen Abzug muss man für die starke Umrahmung auf jeder Seite und für die Spiralbindung machen: Das stört heutige Scan-Apps eher, da diese recht gut automatisch Seiten erkennen können. Eher ein Schönheitsfehler, der eigentliche Seiteninhalt bleibt davon ja unberührt.

Wenn man ein Rocketbuch benutzt, so haben dort die Blätter kleine Symbole, die man ankreuzen kann, um den Scan direkt zu Dropbox, Evernote usw. zu schicken. Allerdings benötigt man dafür eine spezielle App, ob diese so oft aktualisiert und verbessert wird, wie dies z. B. bei Scanbot der Fall ist, bezweifle ich. [2] Ich nutze unter iOS die bekannte App „Scanner Pro“, damit kann man „Übergabe-Buttons“ an jeden Dienst definieren, was ausgesprochen flott funktioniert.

Fazit

Wenn ich auf Amazon eine Bewertung geben müsste, so wären das wohl 3,5 Punkte. Eigentlich eine nette Idee, durch die höhere Seitenzahl muss man auch nicht täglich Inhalte löschen, man kann das z. B. am Wochenende erledigen. Prinzipiell kommt man so mit einem einzigen Notizbuch durch das Jahr. Auch die Kombination von 2 Seiten-Layouts finde ich gut, das Buch ist leicht, gut zu verstauen, Scans funktionieren usw. Vor allem vom Schreibgefühl war ist positiv überrascht. Recht gut kann ich es mir vorstellen, wenn man beispielsweise Sketchnotes übt: Man hat dann nicht so sehr das Gefühl, Papier zu verschwenden.

Mich persönlich stört hingegen das Linien-Layout, das zu viel Platz einnimmt, ich bekomme dadurch weniger auf einer Seite unter. Zudem sind die Symbole am Seitenbeginn für meine Notizen unnötig. Vor allem aber gibt es Abzug für den „dick-schwarzen“ Rand – der ist völlig unnötig, wahrscheinlich würden die Apps ohne diesen Rand die Seite auch schneller erfassen. Auch für Linkshänder gibt es einen kleinen Nachteil: Die Tinte benötigt nämlich 10 – 15 Sekunden Trockenzeit, so dass sie schneller verwischen kann.

Also: Kann man sich zulegen, muss man aber nicht. Die Vorteile gegenüber handelsüblichen Papierbüchern halten sich in Grenzen. Und ob da unterm Strich eine positive Ökobilanz entsteht, kann man ohne genauere Daten über den Fertigungsprozess ohnehin nicht sagen. Vielleicht einfach mal bei Gelegenheit einen eigenen Test damit machen ..

[1] Gemeint ist die Everlast-Version. Für ca. 30 Euro gibt es eine Wave-Version, die aber nur 5 x „löschbar“ ist.

[2] Der Hersteller von Newyes bildet auf manchen Werbe-Seiten die App „CamScanner“ ab und erweckt den Anschein, als ob damit ein ähnlicher Übergabe-Effekt möglich sei. CamScanner hat nicht wirklich die Funktionen, die die Rocketbook-App bietet. Man kann halt über das gängige Teilen-Menü die Übergabe an Cloud-Dienste steuern – das funktioniert aber ohnehin mit jeder Scan-App.

2 Replies to “Schreiben – Scannen – Wischen: Smarte Notizbücher”

  1. Nur mal zur Klarstellung: Eine Digitalisierung in ein Maschinen-lesbares Format findet nicht statt? Ich hab dann also Fotos von meinen Zeichnungen in der Cloud?

  2. Die Handschrift wird nicht in Computertext übertragen (das funktioniert – einigermaßen – nur mit Digitalstiften z. B. auf einem Tablet, da dort Vektorgrafiken erzeugt werden). Wenn man allerdings die Scans des Notizbuchs in Notiz-Archiven wie Evernote (evtl. auch OneNote) speichert, wird die Schrift erkannt und in den Suchindex aufgenommen.

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