Bludit: Mini-Blog-System ohne Datenbank

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schlicht – einfach – klar

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auf dem Smartphone

In den letzten Wochen sind viele (WordPress-)Blogger ins Grübeln gekommen. Aufgescheucht durch die vielen Medienberichte zur neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) wurde ihnen bewusst, dass im Laufe der Jahre ihr Blog-System zu einer richtigen „Daten-Krake“ wuchs: Cookies, Kontakt-Formulare, Kommentarfunktion, Like-Buttons, Gravatare, Plugins – ein Wildwuchs an Dateien, Daten und Informationen, den man als „normaler“ Anwender kaum noch durchschaut. Ebenso die (MySQL-)Datenbank, die das ganze Blog-System am Leben erhält: Unzählige Reihen, Spalten, Abkürzungen, Server-Pfade. Ein Neubeginn oder Umzug mit einem solchen „fetten“ System ist wahrlich kein Kinderspiel.

Wäre es nicht eine prima Alternative, wenn wir auf dem DC-Prinzip der einfachen Datei-Struktur einen Blog betreiben könnten, der schlank, flink und einfach ist, sich an alle Bildschirmgrößen anpasst und alle Funktionen an Bord hat, die man im Alltag benötigt? Dazu ein deutschsprachiges Support-Forum. Und kostenlos ist das Mini-System dazu auch noch (Open Source). Und die Installation dauert nur 30 Sekunden. Und man hat fast keine Lernkurve, wenn man bereits WordPress kennt. Und man kann seine Artikel in Markdown schreiben.

Ach komm – es gibt noch einen oben drauf: Laut Entwickler ist das System „Out-of-the-box“ samt Theme und Plugins sogar DSGVO-konform (auf Einschränkungen gehe ich am Ende des Beitrags ein).

Bludit nennt sich das Blog-System, das wir uns jetzt näher anschauen.

Installation

Die kleine ZIP-Datei entpacken und deren Ordner und Dateien auf einen Server kopieren, den Pfad mit „install.php“ aufrufen, fertig. Einmal kurz die üblichen Angaben machen – Passwort, Titel des Blogs usw. – aber auch das ist in einer Minute erledigt.

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Admin-Bereich

Der Verwaltungsbereich ist sehr übersichtlich gehalten – man findet rasch alle notwendigen Einstellungen. Hier lassen sich auch weitere Nutzer eintragen mit den Rollen „Administrator“ bzw. „Editor“. Auch Feinheiten wie z. B. die Link-Benennung („sprechende Links“) sind machbar.

Artikel verfassen

Als Standard ist ein Editor (SimpleMD) eingestellt, mit dem man die Texte in Markdown verfassen kann:

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gewohntes Eingabefeld

Sofern Sie umfangreiche Texte verfassen wollen, können Sie auch alle störenden Elemente ausblenden oder eine zusätzliche Spalte einblenden:

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Markdown mit Voransicht

Sie haben aber die Wahl, einen „Nicht-Markdown-Editor“ zu verwenden. Das dafür notwendige Plugin – TinyMCE – müssen Sie nur kurz im Einstellungsbereich aktivieren. Damit erhalten Sie eine andere Eingabevariante:

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Nicht-Markdown-Editor

 

Medien-Manager

Fotos können via Drag and Drop oder Upload ausgewählt werden, sehr viel mehr kann man da momentan nicht machen. Für die nächste Version ist ein erweiterter Manager geplant, aber die aktuelle Funktionalität dürfte den meisten Anwendern bereits genügen.

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kleine Foto-Verwaltung

 

Was passiert auf dem Server?

Der Vorteil des kleinen Blog-Systems ist ja vor allem, dass man nachvollziehen kann, wie es „funktioniert“. Und das hat man tatsächlich in 2 Minuten verstanden:

Für jeden Beitrag wird von Bludit ein Ordner auf dem Server angelegt, der Namen des Artikels erhält (Umlaute sind kein Problem):

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Artikel leicht in der Server-Struktur erkennbar

In diesem Ordner befindet sich nur eine Datei, die immer den gleichen Namen trägt – „index.txt“ – und nur den Text des Artikels enthält:

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simple Text-Datei

Damit haben wir unsere einfache Dateistruktur, die für jeden Anwender transparent ist (und eventuelle Umzüge auf andere Server sehr erleichtert).

Themen, Plugins, Einstellungen

Kategorien, Schlagwort-Vergabe, Themen-Änderungen – alles ist an WordPress angelehnt. Natürlich hat man nicht die Auswahl an Plugins und Themen, die der „große Bruder“ hat. Aber das, was da ist, ist sinnvoll und nützlich. Die Themen passen sich der Bildschirmfläche an, der Blog ist also auch gut auf Smartphones zu lesen. Vom simplen Reise-Tagebuch über den Schul-Blog mit Methoden-Empfehlungen bis hin zu Magazin-Seiten lässt sich vieles mit wenigen Klicks umsetzen.

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guter Eindruck

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verschiedene Themen

Fazit

Mir gefällt an Bludit die Kombination von einfacher Bedienung und Konzentration auf das Wesentliche. Natürlich hat man hier – im Unterschied zu WordPress – nicht 40.000 Plugins oder 80.000 Themes. Aber die Plugins, die „mitgeliefert“ werden, sind sinnvoll. Die Designs, die aktuell vorhanden sind, sehen gut aus. Und wer sich ein wenig mit HTML und CSS auskennt, kann auch leicht eigene Themen entwerfen. Schwächen hat Bludit natürlich auch: Videos können nur via Link eingebunden werden, ein umfangreicheres Dateimanagement (etwa für PDF-Dateien) fehlt usw. Aber wer ein System für die „einfachen Dinge des Lebens sucht“, der sollte sich Bludit näher anschauen.

Exkurs 1: Hinweise für „Nerds“

Ja, meine Aussage, dass Bludit „datenbanklos“ ist, stimmt nur teilweise. MySQL wird nicht verwendet, dafür wird im Hintergrund mit JSON eine Art „Text-Datenbankstruktur“ abgebildet. Auch wird PHP verwendet. Es gibt Systeme, die sogar darauf verzichten und statische Seiten jeweils aktualisieren (Armin hat dazu einen recht guten Artikel in seinem Blog). Aber bei den meisten dieser Varianten muss man doch recht große technische Hürden überwinden. Für mich ist das in etwa so wie der Unterschied zwischen „vegetarisch“ und „vegan“: Sich vegetarisch zu ernähren, ist unproblematisch, aber man ist noch auf Eier und Milch angewiesen. Bei einer veganen Ernährung kann ich ganz auf tierische Produkte verzichten, muss mir aber ziemlich den Kopf zerbrechen, ob die „Ersatzstoffe“ wirklich gesund sind und habe mehr Aufwand (das sehen Veganer anders – aber auch Nerds beschreiben ihre Systeme immer als „ganz leicht und einfach“ 😉 ).

Exkurs 2: Hinweise zur DSGVO

Eigentlich gilt die DSGVO ja nur für Unternehmen und Gewerbetreibende. Leider ist sie sehr, sehr „undurchsichtig“ gestrickt, so dass man auch als Privatperson stolpern kann. Aus meiner Sicht muss man als Privatblogger aber nicht den großen Schreck bekommen, sondern einfach auf ein paar zentrale Dinge achten. Dazu gehört sicher, dass man sich mal anschaut, welche Daten der eigene Blog so sammelt – und das ist bei Bludit einfach transparenter als bei großen Systemen geregelt. Aber auch bei diesem System kommt es darauf an, wie man es verwendet. Ein recht guter Beitrag dazu ist im deutschsprachigen Bludit-Forum zu finden. Dazu noch einen Generator für den Text des Impressums und der Datenschutzerklärung nutzen (gibt sehr viele, z. B. diesen hier). Aus der aktuellen c’t-Ausgabe stellt der Heise-Verlag übrigens das Booklet „Fit für die DSGVO“ als kostenlosen PDF-Download zur Verfügung.

Exkurs 3: Praxisbeispiel Schule

Auf Twitter hatte @herrmayr die Idee, dass ein solches System auch gut im Schulbereich einsetzbar sein müsste. Sofern ein Schulserver, eine Schul-Cloud oder einfach ein internes NAS wie die Synology zur Verfügung steht, sollte das eine ideale Möglichkeit sein. Denn man kann in wenigen Minuten eine ganze „Blog-Farm“ aufsetzen. [3] Dazu muss man keine Vorkenntnisse haben oder Besonderheiten berücksichtigen: Man legt ganz simpel mehrere Ordner an und kopiert jeweils das vollständige Grund-System. Dann in jedem Pfad 1 x die Install-Datei starten – fertig. Ideal für eine Gruppenarbeit (jeder einzelne Blog kann ja mehrere „Editoren“ aufnehmen). Das kann beispielsweise so aussehen:

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schnell umgesetzt

Der besondere Pluspunkt dieser Lösung: Ist das Gruppenprojekt beendet, genügt es, das Verzeichnis auf dem Server zu löschen. Fertig. Es bleiben also keine „Rückstände“ in einer Datenbank. Schüler sollten die grundsätzliche „Bedienung“ des Blog-Systems sehr schnell verstanden haben. Mit ihren Smartphones können sie leicht thematisch passende Fotos aus dem eigenen Bereich einfügen (Beispiel „Mülltrennung im Haushalt“).

Bei älteren Jahrgängen kann man sogar eine beliebige App verwenden, die Markdown beherrscht, so dass alle Artikel mobil samt passenden Fotos zeitgleich mit dem Ereignis mobil erfasst werden können (Beispiel: Ausflug, Museumsbesuch, Protokolle bei Experimenten usw.).

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mobil erfassen

 

[1] Hier muss man sicher Einschränkungen machen.
[2] Je nach Server müssen Sie den Ordnern evtl. noch Schreibberechtigungen geben.
[3] Eigentlich werden Blog-Farmen durch ein zentrales System verwaltet, für das beschriebene Beispiel genügt aber die einfache Variante der Mehrfach-Installation.

8 Replies to “Bludit: Mini-Blog-System ohne Datenbank”

  1. Komplett richtig! Ein tolles, einfaches aber leistungsfähiges System. Und: schnell, mobil, schick, leicht zu verwalten.

  2. Coole Sache.
    Bisher haben ich den Leuten immer eine Wiki-Lösung angeboten, wenn diese kein WordPress wollten (Warum auch immer? Die Handhabung lernen muss man in beiden Lösungen).

    So manch einer hat ja keine MySQL-Datenbank. Das Angebot an Themes ist zwar noch recht klein, wird aber sicher noch wachsen.

      1. Falls die Anforderung mal beides sein sollte: Wiki und Datenbanklosigkeit, dann bietet sich Dokuwiki an. Auch, wie Bludit mit Speicherung über das Dateisystem anstatt einer Datenbank und auch extrem einfach aufzusetzen.
        Die Syntax beim Schreiben ist dann halt Wiki-Syntax, aber die ist ja auch ganz angenehm.
        Für den Schul- oder Unieinsatz ganz witzig: es gibt ein Plugin, das aus einzelnen Seiten auf Knopfdruck Präsentationen macht.

  3. Inzwischen habe ich mich mit Bludit „angefreundet“ und einiges ausprobiert.
    So auch zum Beispiel durch ein paar einfache Änderungen an den PHP-Dateien, um das Aussehen ein wenig an meine Wünsche (Groß-/Kleinschreibung im Menü, „Powered“ aus der Fußzeile entfernt, „Nach oben“ Sprung in die Fußzeile) anzupassen. Oder das Einbinden einer externen Galerie.

    Entstanden sind nun die Beispielseite http://www.hsw2.de/bludit/ , sowie die Beispielseiten die unter „EXTERNE LINKS“ aufgeführt sind.

  4. Ich habe vor einiger Zeit angefangen Bludit einzusetzen. Bevor ich damit auf Kunden losgehe, habe ich es an zwei kleineren Projekten getestet. Für den Endanwender (und damit meine ich auch den einfachen Admin des Blogs) ist das System gut nutzbar. Es gibt die wichtigsten Plugins und Templates sind einfach zu erstellen.

    Bei einem intensiveren Blick unter die Haube muss ich als Entwickler jedoch feststellen, dass die Code-Basis, ähnlich wie WordPress, wild gewachsen ist. Nur dank der bisher geringen Komplexität des Systems, ist es kaum ein Problem Änderungen vorzunehmen. Jedoch ist bspw. kein sauberes Pattern im Einsatz. Dies macht besonders die Manipulation des Request- und Response-Verhaltens kompliziert. Auch wird leider nicht auf LazyLoading zurückgegriffen, was ich grundsätzlich in geschlossen Systemen (also ein System bei deren Entwicklung ich schon weiß, welche Dateien zu welchem Zeitpunkt wie gebraucht werden) nicht gut finde.

    Ein Upgrade von Bludit, welches dann ein entsprechendes Pattern umsetzt und die Code-Basis in das Jahr 2018 holen würde, ist jedoch einfach zu realisieren. Denn dadurch, dass die Daten in simplen Format vorliegen und getrennt von der Codebasis genutzt werden können, sind diese auch in einer ganz anderen Codebasis zu nutzen. Der größte Vorteil ist hierbei auch das Markdown. Durch entsprechende Setup/Installer/Importscripte kann ich so die Daten gut überführen und entsprechend auch neu sortieren.
    Es gibt einige kleinere Schwachstellen und Sicherheitsbedenken. Diese sind aber teilweise durch die Dokumentation veranlasst (bis vor kurzem die Konfiguration für Nginx bspw.). Ein Review des Codes ist aber nicht so einfach, sodass auch da potentielle Lücken sein könnten.

    Unabhängig davon finde ich das System gelungen und ich denke, ich werde es in Zukunft auch mal für ein scharfes Projekt in Betracht ziehen.

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